Ganz bei sich

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Von Matthias Nöther

\r\nEs sind junge Menschen, die in den traditionellen Sommermatineen im Musikinstrumenten-Museum auftreten. Für diese Musiker, gerade fertig studierte Profis, hat die Gotthard-Schierse-Stiftung vor nunmehr 40 Jahren die Kammermusik-Reihe ins Leben gerufen – um ihn das Loch überbrücken zu helfen, das zwischen Hochschuldiplom und Orchester- beziehungsweise Solistenlaufbahn für fast Jeden klafft. Es sind durchweg hervorragende, jedes Jahr neu und mit Bedacht kuratierte Künstler, und doch handeln sie auf der Bühne des kleinen Curt-Sachs-Saals ein wenig anders als Konzertsolisten mit jahrzehntelanger Erfahrung.\r\n\r\nBei der Geigerin Liya Yakupova etwa, die am Sonntag in der zweiten von insgesamt sechs Matineen des diesjährigen Sommers an der Reihe war, richtet sich die Aufmerksamkeit konsequent und ausschließlich nach innen, auf den Körper, das Instrument, seinen Klang. Für das Publikum bietet dies wenig Show, ist das in musikalischer Hinsicht ein vollendeter Genuss. Mit Begleitung durch die armenische Pianistin Sona Barseghyan lässt Yakupova einen großen, voluminösen Ton hören – der aber wie aus einem Zwiegespräch Yakupovas mit sich selbst und ihrem Spielgerät entsteht, kaum mit physischer Kraftanwendung. Es wird einem viel eher bewusst als bei extrovertierten Bühnenhasen, dass gutes Musizieren undenkbar viel mit stupende beherrschter und von Außenwirkung unbeirrter Instrumentaltechnik zu tun hat. Der kleine Saal dehnt förmlich seine Wände unter der Größe von Yakupovas Klang. Man bräuchte vermutlich einen größeren Raum, um festzustellen, dass dieser Ton auch biegsam ist, dass Liya Yakupova in Mendelssohns Violinsonate F-Dur nach dem hoch auffahrenden Thema in der Lage ist, die feinen Linien nuanciert zu gestalten.\r\n\r\nDas Programm der kleinen Konzerte muss nicht originell und unerhört sein. Hier haben die jungen Musiker den Rahmen, in dem sie sich mit solch vielgespielten Stücken wie Mendelssohns Sonate vor einem kleinen Publikum von Kennern und Liebhabern beweisen können. Deshalb beginnt Yakupova mit der Teufelstriller-Sonate in g-moll von Giuseppe Tartini – dem berühmtesten und einzigen Werk des Barockkomponisten, das nicht erst in der Alte-Musik-Bewegung Mitte des 20. Jahrhunderts wieder ausgegraben wurde, sondern das ganze „romantische“ 19. Jahrhundert hindurch im Geiger-Repertoire vorhanden war. Auch Yakupova nimmt das Werk eher romantisch, mit breitem Pinselstrich. Ihre Klavierpartnerin Barseghyan steht ihr an Technik nicht wesentlich nach, doch klingt der Ton des Steinway-Flügels in dem kleinen Saal vielleicht etwas zu massiv. Das man sich darauf durchaus einstellen kann, zeigen die Musikerinnen in den elegant glitzernden Figuren aus Tschaikowskis „Souvenir d’un lieu cher“ und „Introduction et Rondo“ von Camille Saint-Saëns. Bezüglich der Balance mit dem Flügel wäre für die künftigen Konzerte noch etwas nachzusteuern.

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